Was bei Alzheimer und Demenz tun?

Bei der Diagnose verändert sich das Leben schlagartig. Es gibt Leistungen und Unterstützungen, die helfen.

Was bei Alzheimer und Demenz tun?

Erste Schritte nach Alzheimer-Verdacht oder Diagnose

Der Verdacht auf Alzheimer-Krankheit verändert häufig das Leben einer ganzen Familie. Viele Betroffene und Angehörige fühlen sich zunächst verunsichert, überfordert oder haben Angst vor der Zukunft. Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit oder Veränderungen im Verhalten entwickeln sich oft schleichend und werden anfangs nicht immer ernst genommen. Umso wichtiger ist es, früh zu handeln und erste Schritte gezielt einzuleiten. Eine schnelle Abklärung kann helfen, andere Ursachen auszuschließen und frühzeitig passende Unterstützung zu organisieren. Auch wenn Alzheimer derzeit nicht heilbar ist, kann eine frühe Diagnose viele Vorteile bringen.

Medikamente, Therapien und unterstützende Maßnahmen können dabei helfen, Fähigkeiten der betroffenen Person länger zu erhalten und den Alltag besser zu bewältigen. Gleichzeitig bleibt mehr Zeit, wichtige Entscheidungen gemeinsam zu treffen und die Versorgung frühzeitig zu planen. Neben der medizinischen Behandlung spielen auch organisatorische und pflegerische Themen eine große Rolle. Dazu gehören beispielsweise die Beantragung eines Pflegegrades, die Anpassung des Wohnumfeldes oder die Suche nach Entlastungsangeboten für Angehörige. Viele Familien warten damit zu lange und geraten dadurch unnötig unter Druck.

Die ersten Schritte nach einem Alzheimer-Verdacht sollten daher immer gut strukturiert erfolgen. Je früher Unterstützung aufgebaut wird, desto besser lassen sich Sicherheit, Lebensqualität und Selbstständigkeit im Alltag erhalten.


Schritt 1: Ärztlich abklären lassen und Feststellung erhalten

Wenn erste Anzeichen wie Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit, Wortfindungsstörungen oder Veränderungen im Verhalten auftreten, sollte möglichst früh eine medizinische Abklärung erfolgen. Viele Angehörige warten zu lange, weil sie die Symptome zunächst als normales Altern einschätzen. Eine frühe Untersuchung ist jedoch sehr wichtig, denn nicht jede Gedächtnisstörung ist automatisch Alzheimer-Krankheit.

Eine frühzeitige Diagnose hilft:

  • den Verlauf in der kommenden Zeit besser zu verstehen, 
  • passende Therapien zu suchen und zu beginnen, 
  • Risiken im Alltag im Wohnumfeld zu reduzieren, 
  • finanzielle und pflegerische Unterstützung frühzeitig zu organisieren, 
  • Angehörige durch unterstützende Leistungen zu entlasten, 
  • und wichtige Entscheidungen noch gemeinsam treffen zu können. 

Erste Untersuchungen 

Der Hausarzt kann bereits: 

  • Gedächtnistests durchführen, 
  • Blutwerte kontrollieren, 
  • körperliche Untersuchungen machen, 
  • Medikamente überprüfen, 
  • und andere Ursachen ausschließen. 


Häufig eingesetzte Tests: 

  • Mini-Mental-Status-Test (MMST) 
  • Uhrentest 
  • DemTect 

Überweisung zum Neurologen

Besteht weiterer Verdacht, erfolgt meist eine Überweisung: 

  • zum Neurologen, 
  • Psychiater, 
  • oder in eine Gedächtnisambulanz. 


Dort finden ausführlichere Untersuchungen statt: 

  • Gedächtnis- und Konzentrationstests, 
  • MRT oder CT des Gehirns, 
  • neurologische Untersuchungen, 
  • Gespräche mit Angehörigen.


Andere Ursachen ausschließen 

Nicht jede Gedächtnisstörung ist Alzheimer. Ähnliche Beschwerden können auch entstehen durch: 

  • Depressionen, 
  • Schlafmangel, 
  • Vitaminmangel, 
  • Schilddrüsenerkrankungen, 
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, 
  • Flüssigkeitsmangel, 
  • oder Durchblutungsstörungen. 

Deshalb ist eine gründliche Diagnostik sehr wichtig.

Frühdiagnose entscheidet

Eine frühe Diagnose ermöglicht: 

  • frühzeitige Behandlung, 
  • bessere Planung des Alltags, 
  • rechtzeitige Unterstützung, 
  • mehr Sicherheit zuhause, 
  • und Entlastung für Angehörige. 


Außerdem können wichtige Entscheidungen noch gemeinsam getroffen und festgelegt werden, solange die betroffene Person dazu in der Lage ist.

Unser Tipp und Hinweis

Die Deutsche-Alzheimer-Gesellschaft e. V.

Die Deutsche-Alzheimer-Gesellschaft (hier zur Website) ist eine deutschlandweit tätige Selbsthilfeorganisation, die Menschen mit Demenz sowie deren Angehörige begleitet und unterstützt. Ziel der Organisation ist es, Betroffene im Alltag zu entlasten, umfassend über Demenzerkrankungen zu informieren und die Lebensqualität von Erkrankten und Familien zu verbessern.

Die Gesellschaft bietet umfangreiche Informationen zu Themen wie Diagnose, Pflege, Betreuung, Vorsorge und rechtlichen Fragen. Angehörige erhalten praktische Unterstützung für den Alltag – beispielsweise zum Umgang mit Verhaltensänderungen, zur Organisation der Pflege oder zu finanziellen Leistungen wie dem Pflegegrad. Zudem vermittelt die Organisation Kontakte zu regionalen Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und weiteren Unterstützungsangeboten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Deutsche-Alzheimer-Gesellschaft setzt sich dafür ein, das gesellschaftliche Bewusstsein für Demenz zu stärken und Vorurteile gegenüber Betroffenen abzubauen. Gleichzeitig engagiert sie sich politisch für bessere Unterstützungsangebote, mehr gesellschaftliche Teilhabe und bessere Rahmenbedingungen in der Pflege.

Darüber hinaus organisiert die Organisation regelmäßig Schulungen, Informationsveranstaltungen und Vorträge für Angehörige, Pflegekräfte und Interessierte. Viele Familien erhalten dadurch wertvolle Hilfe, Orientierung und Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung.


Telefonische Erreichbarkeit: +49 30 259 37 95 14

Schritt 2: Medikamente zur Einnahme prüfen 

Bei Alzheimer-Krankheit gibt es derzeit keine Heilung. Dennoch stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die dabei helfen können, Symptome zu lindern und den Verlauf der Erkrankung zumindest zeitweise zu verlangsamen. Besonders in frühen oder mittleren Stadien kann eine medikamentöse Behandlung dazu beitragen, dass Betroffene ihren Alltag länger selbstständig bewältigen können und geistige Fähigkeiten nicht so schnell verloren gehen.

Die Behandlung wird immer individuell durch den Arzt angepasst. Dabei spielen unter anderem das Alter, das Krankheitsstadium, bestehende Vorerkrankungen sowie die allgemeine Verträglichkeit der Medikamente eine wichtige Rolle. Nicht jedes Medikament wirkt bei allen Menschen gleich gut. Manche Betroffene profitieren deutlich von der Therapie, während andere nur geringe Veränderungen bemerken. Deshalb sind regelmäßige ärztliche Kontrollen wichtig, um Wirkung und Nebenwirkungen zu beobachten. Ziel der Behandlung ist nicht die Heilung der Erkrankung, sondern die Stabilisierung des Alltags und die Verbesserung der Lebensqualität. Medikamente gegen Demenz sollen helfen:

  • Gedächtnis und Konzentration möglichst lange zu erhalten, 
  • Orientierung und Aufmerksamkeit zu unterstützen, 
  • Alltagsfähigkeiten zu stabilisieren, 
  • innere Unruhe oder Verhaltensauffälligkeiten zu reduzieren, 
  • und Angehörige im täglichen Umgang zu entlasten. 


Besonders wichtig ist, dass Medikamente immer nur ein Teil der Behandlung sind. Ebenso entscheidend sind:

  • feste Tagesstrukturen, 
  • ausreichend Bewegung, 
  • soziale Kontakte, 
  • geistige Aktivierung, 
  • gesunde Ernährung, 
  • und eine sichere, ruhige Umgebung. 


Wichtig zu verstehen

Medikamente gegen Alzheimer können die Erkrankung nicht heilen und auch nicht dauerhaft stoppen. Bereits verlorene Fähigkeiten lassen sich meist nicht vollständig zurückholen. Trotzdem können viele Betroffene von einer frühzeitigen Behandlung profitieren. Häufig gelingt es dadurch, den Alltag über einen gewissen Zeitraum zu stabilisieren und die Selbstständigkeit länger zu erhalten. Besonders erfolgreich ist die Behandlung oft dann, wenn Medikamente mit weiteren unterstützenden Maßnahmen kombiniert werden. Dazu gehören:

  • feste Routinen im Alltag, 
  • regelmäßige Bewegung, 
  • geistige Beschäftigung, 
  • soziale Kontakte, 
  • ausreichend Schlaf, 
  • und eine liebevolle, geduldige Betreuung. 


Auch Angehörige profitieren davon, wenn Symptome wie starke Unruhe, Orientierungslosigkeit oder Aggressivität abgeschwächt werden. Dadurch wird die Pflege zuhause häufig leichter und weniger belastend. Wirkstoffe bei Alzheimer sind im folgenden beschrieben:

Donepezil

Donepezil gehört zur Gruppe der sogenannten Cholinesterasehemmer und wird häufig bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz eingesetzt. Bei Alzheimer sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab. Dadurch nimmt unter anderem der Botenstoff Acetylcholin ab, der wichtig für Lernen, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Denkprozesse ist.

Donepezil sorgt dafür, dass dieser Botenstoff langsamer abgebaut wird und dem Gehirn länger zur Verfügung steht. Dadurch können bestimmte geistige Fähigkeiten zeitweise stabilisiert werden. Donepezil kann dabei helfen:

  • Gedächtnisleistungen vorübergehend zu verbessern, 
  • Konzentration und Aufmerksamkeit zu unterstützen, 
  • Orientierung im Alltag länger zu erhalten, 
  • und alltägliche Aufgaben länger selbstständig zu bewältigen. 


Die Wirkung tritt meist nicht sofort ein, sondern entwickelt sich über mehrere Wochen. Viele Angehörige berichten, dass Betroffene zeitweise wacher, aufmerksamer oder strukturierter wirken. Wie bei vielen Medikamenten können jedoch Nebenwirkungen auftreten. Häufige Begleiterscheinungen:

  • Übelkeit, 
  • Durchfall, 
  • Appetitverlust, 
  • Schlafprobleme, 
  • Schwindel, 
  • oder allgemeine Schwäche. 

Memantin

Memantin wird überwiegend bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Erkrankung eingesetzt und wirkt anders als Donepezil. Es beeinflusst den Botenstoff Glutamat im Gehirn. Bei Alzheimer kann es zu einer Überstimulation bestimmter Nervenzellen kommen, wodurch zusätzliche Schäden entstehen können.

Memantin soll diese Überreizung abschwächen und die Nervenzellen schützen. Ziel ist es, geistige Fähigkeiten und Alltagskompetenzen möglichst lange zu erhalten.

Memantin kann helfen:

  • Orientierung und Konzentration zu stabilisieren, 
  • Unruhe zu verringern, 
  • aggressives Verhalten abzuschwächen, 
  • den Alltag besser zu bewältigen, 
  • und die Belastung für Angehörige zu reduzieren. 


In manchen Fällen wird Memantin gemeinsam mit Donepezil verordnet, um verschiedene Wirkmechanismen zu kombinieren.

Auch bei Memantin sind Nebenwirkungen möglich. Dazu gehören unter anderem:

  • Müdigkeit, 
  • Schwindel, 
  • Kopfschmerzen, 
  • Verstopfung, 
  • oder zeitweise Verwirrtheit. 


Daher erfolgen regelmäßige ärztliche Kontrollen, um die Behandlung optimal anzupassen.

Schritt 3: Pflegegrad beantragen 

Viele Familien beantragen Unterstützung durch die Pflegeversicherung erst sehr spät. Gerade bei Alzheimer-Krankheit wird der tatsächliche Hilfebedarf im Alltag oft lange unterschätzt. Betroffene können sich zu Beginn häufig noch gut ausdrücken und wirken nach außen hin relativ selbstständig. Dennoch entstehen im täglichen Leben oft bereits früh Einschränkungen, die Angehörige stark belasten. Deshalb ist es wichtig, möglichst früh einen Pflegegrad zu beantragen und vorhandene Leistungen rechtzeitig zu nutzen. Ein früher Antrag kann helfen: 

  • finanzielle Unterstützung zu erhalten, 
  • Angehörige zu entlasten, 
  • Hilfsmittel und Pflegeangebote zu finanzieren, 
  • die Sicherheit zuhause zu verbessern, 
  • und die Selbstständigkeit der betroffenen Person möglichst lange zu erhalten. 


Viele Familien versuchen zunächst, alle Aufgaben im Pflegealltag bei Alzheimer und Demenz allein zu bewältigen. Mit zunehmendem Fortschreiten der Erkrankung steigen jedoch meist auch: 

  • Betreuungsaufwand, 
  • organisatorische Belastungen, 
  • körperliche Anforderungen, 
  • und emotionale Belastungen für Angehörige. 

Je früher Unterstützung organisiert wird, desto besser lassen sich Überforderung und Krisensituationen vermeiden. 

 

Wo wird der Antrag gestellt? 

Der Antrag auf einen Pflegegrad wird bei der Pflegekasse gestellt. Diese ist immer an die jeweilige Krankenkasse gekoppelt. 

Für den ersten Schritt reicht oft bereits ein kurzer Anruf: „Wir möchten einen Pflegegrad beantragen.“ 

Alternativ kann der Antrag: 

  • schriftlich, 
  • online, 
  • oder über ein Formular der Krankenkasse gestellt werden. 

Wichtig ist, den Antrag möglichst früh einzureichen, denn Leistungen werden in der Regel erst ab dem Zeitpunkt der Antragstellung gewährt und nicht rückwirkend über lange Zeiträume. 

 

Wie läuft der Antrag zum Pflegegrad ab? 

Nach Eingang des Antrags verschickt die Pflegekasse meist weitere Unterlagen und organisiert einen Termin zur Begutachtung. Dieser Termin findet häufig zuhause statt, damit die tatsächliche Alltagssituation besser eingeschätzt werden kann. Bis zum Termin kann es einige Wochen dauern. In dieser Zeit ist es sinnvoll, sich gut vorzubereiten und möglichst genau zu dokumentieren: 

  • wo Hilfe benötigt wird, 
  • welche Probleme im Alltag auftreten, 
  • wie oft Unterstützung notwendig ist, 
  • und welche Belastungen bereits bestehen. 


Viele Angehörige unterschätzen ihren eigenen täglichen Aufwand, weil sie sich bereits an die Situation gewöhnt haben. Die Begutachtung übernimmt bei gesetzlich Versicherten der Medizinische Dienst (MD). Bei Privatversicherten erfolgt dies meist über Medicproof. Dabei wird beurteilt, wie selbstständig die betroffene Person mit Demenz noch ist. Bewertet werden unter anderem: 

  • Gedächtnis und Orientierung, 
  • Verhalten und psychische Veränderungen, 
  • Mobilität, 
  • Körperpflege, 
  • Ernährung, 
  • Medikamenteneinnahme, 
  • Kommunikation, 
  • und die allgemeine Alltagsbewältigung. 


Gerade bei Alzheimer spielen nicht nur körperliche Einschränkungen eine Rolle, sondern vor allem kognitive Probleme und der notwendige Betreuungsaufwand. Menschen mit Demenz wirken bei kurzen Gesprächen häufig deutlich fitter, als sie im Alltag tatsächlich sind. Viele Betroffene versuchen zudem, Unsicherheiten zu überspielen oder Schwierigkeiten zu verbergen. Dadurch kann der Unterstützungsbedarf leicht unterschätzt werden. Deshalb sollten Angehörige während der Begutachtung offen und ehrlich schildern: 

  • welche Probleme täglich auftreten, 
  • wo regelmäßig Hilfe nötig ist, 
  • welche Gefahren bestehen, 
  • ob Orientierungslosigkeit vorkommt, 
  • wie häufig Dinge vergessen werden, 
  • ob nächtliche Unruhe besteht, 
  • und wie stark die Belastung im Alltag tatsächlich ist. 
Kostenlose Pflegekurse

Kostenlose Online-Pflegekurse bei Demenz und Alzheimer

Zu 100 % kostenlos! Denn die Pflege ist anspruchsvoll und die kostenlosen Pflegekurse sind für alle da. Ob Grundlagen der Pflege, Demenz & Alzheimer oder Nachbarschaftshilfe – beim Leistungserbringer finden Sie die passende Unterstützung online. Wann und wo Sie möchten. Die Pflegekassen übernehmen die Kosten für die Pflegekurse von curendo® nach dem § 45 SGB XI vollständig – wir sind Partner und empfehlen die Alzheimer-Hilfen weiter.

Häufig gestellte Fragen

Entdecken Sie die FAQ und Antworten zum Thema: Was bei Alzheimer und Demenz tun?